Rotte @ Pudel

Im März 2022 schreibt Gereon Klug folgende Zeilen:

Rotte. Rotte kommt aus Stuttgart. Rotte veröffentlicht beim Hamburger Label PUDEL PRODUKTE in der nächsten Zeit seine Stücke. Das Label weiß, wozu das alles noch gut ist und sagt es Ihnen.

Es gibt bei einem Song immer zwei Seiten. Beide sind gleich gut und gleich schlecht. Die Schönheit liegt immer GENAU in der Mitte, aber man/frau sollte sich zu dieser Schönheit trotzdem nicht verhalten, denn eine jegliche Positionierung bringt ja auch wieder zwei gleiche Seiten hervor, die auch wieder ihr Schlechtes haben und zuviel Schlechtes gilt es zu vermeiden.

Also zum Beispiel der erste Song von Rotte hier: „Gaffa, Farbe und Zustimmung”, der hat eine harte, gewalttätige Seite und auch eine weiche, buttrige Seite. Niemand könnte jetzt guten Gewissens sagen, dass die eine der anderen Seite vorzuziehen ist, denn sie sind beide in ihrer Härte auch weich und umgekehrt.

Das geht bei Rotte immer so. Beide seiner Seiten können eh nicht ohne einander, also nehmen wir sie beide und hören sie nicht einmal oder dreimal, sondern zweimal oder viermal an. Das hat hier also nichts mit der Einstellung “nützt ja nix” zu tun, sondern mit der Einstellung “danke Rotte”. Oder auch ohne “danke”, denn wer kein “bitte” kennt, kennt auch kein “danke”.

Wir empfehlen Rottes „Gaffa, Farbe und Zustimmung” auch, weil wir kein Recht auf die Welt haben.
Scheisse.

Was seitdem geschehen ist:

Gaffa, Farbe und Zustimmung

Weitere Links zu "Gaffa, Farbe und Zustimmung"

Hier geht es zur Videopremiere und zum ausführlichen Interview auf KAPUT-MAG

Hier spricht Jörn Elling Wuttke mit Klaus Walter in der WDR Sendung PUDEL, NIPPES, OKTOBERFEST – rätselhaftes Germany über das Release.

Butterbrot und Peitsche

The ghost of arm und rot version

Wieder Rotte. Wir hatten ja gesagt: Rotte veröffentlicht beim Hamburger Label PUDEL PRODUKTE in der nächsten Zeit seine Stücke. Wie ab jetzt alle paar Monate, von den unterschiedlichen Versionen nicht zu reden.

“Butterbrot und Peitsche“ ist der originär zweite Speakmusik-Hybrid von Rotte und der Säurekirche und wieder möchte die Wiederholung Thema sein und auch eben nicht, weil Wiederholungen als MÜDE gelten, als KOPIE und als UNFRESH. Das ist natürlich ein Quatsch vor dem Herrn. Im doppelten U-Turn liegt eine mächtige Kraft, das wissen alle, die nicht alles dumm hinter sich lassen, sondern das Gleiche nochmal anders sagen, nochmal den schönen Effekt der Zweitschrift genießen können. Same same, but different.

So heißt es ja auch „Gelb kriegt Geld“ bei jeder Abrechnung auf händischen Quittungen. Es ist also derjenige, der den Durchschlag bekommt, sowas von klar im Vorteil – ist es, ist es nicht? Antwort: Ja. “Butterbrot und Peitsche“: Das hieß früher Stein und Brot, heute heißt das Fordern und Fördern. Zusammen mit dem oben angesprochenen Repeat-Gedanken ist der Track so zu verstehen wie eine Useless Machine (die Sie hoffentlich kennen) in hereinbrechender Dunkelheit.

Man MUSS sich damit beschäftigen, denn es geht ja nicht anders: Der sich selbst ausschaltende Kasten und die auf jeden Tag folgende Nacht sind beides so dermaßen zwingende Dinge, dass man heulen könnte vor Glück.

Wir empfehlen Rottes „Butterbrot und Peitsche” auch, weil wir gleichzeitige Belohnungsversprechen bei Strafandrohungen ablehnen, denn das ist und war ein Scheißprinzip aus Scheiße. Danke.

Gereon Klug

 

ByteFM zum Release

Mit dem Song „Butterbrot und Peitsche“ lädt der Stuttgarter Musiker Christian Rottler aka Rotte die Hörer*innen auf eine hypnotische Fahrt ein. Und zwar in einem Zug aus elektronischer Musik in mittlerem, gleichförmigem Tempo. Man sitzt dabei bequem und schaut hinaus aus dem Fenster. Der Blick gleitet unangestrengt über die Landschaft, die aus Gedankenfetzen und Alltagsimpressionen besteht, und ein paar verqueren Weisheiten und möglicherweise falsch verstandenen Ideen. Wer kennt sie nicht, die Redensart von Butterbrot und Peitsche?

Lyrisch gleicht der Track einer weich vorgetragenen Kaskade von Dingen, die man zu unmenschlichen Uhrzeiten zwielichtige Leute an zwielichtigen Ecken sagen hört. In Momenten, in denen man einfach nur ist, aber nichts muss. Abseits der Welt von Belohnung und Bestrafung. Unproduktiv, aber unschuldig, frei und aufgelöst im Augenblick. Es sind Dinge, die allesamt in einem eigenen kleinen Kosmos zu existieren scheinen, der vielleicht schon an den Innenwänden eines Schädels endet.

Vielleicht ist dieser Kosmos aber auch so groß, dass selbst der größte Geist ihn nicht einzuzirkeln vermag. „Wenn Du einmal richtig gehasst hast, dann weißt Du … Hass ist eine gute Sache!“ zum Beispiel. Oder: „Was is’n das für ne Drecks-Haltung, die Du da an den Tag legst? Das hab ich mich gestern schon gefragt.“ Oder: „Wenn morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch bei Amazon bestellen“, heißt es dort, und „B-52 Bomber, krasse Erfindung“. Scheinbar Belangloses fügt sich in einen unterhaltsamen und faszinierenden Bilderstrom.

Der Bilderstrom fließt aber nicht nur vor dem geistigen Auge. Denn die Gleichzeitigkeit der Gedanken korrespondiert im fast siebenminütigen Musikvideo mit einer visuellen Gleichzeitigkeit auf mehreren Ebenen. Der vom Digitalstudio Frischvergiftung produzierte Clip zeigt Rotte in mehrfacher Überlagerung mit sich selbst, dazu immer wieder die Schlüsselbegriffe des gesprochenen Texts und wabernde geometrische Strukturen.

Das Video zu „Butterbrot und Peitsche“ feiert heute Premiere im ByteFM Blog.